
Ich erinnere mich an einen Freund, der mir stolz seine neue Überhose für ein Trekking in Nordlaos zeigte. Ich hatte ihm zuvor geraten, auf wasserdichte und atmungsaktive Funktion zu achten. Er hatte sich wohl nur das erste Wort gemerkt oder die Bedeutung des zweiten unterschätzt. Am Ende kaufte er das billigste Modell – und stand mit einer absolut nicht atmungsaktiven Überhose da!
Wasser von außen drang zwar nicht ein, aber der Schweiß im Inneren konnte nicht entweichen – wie im Schnellkochtopf ohne Ventil! Am Ende war seine Wanderhose darunter komplett durchnässt. Solche Fehlkäufe passieren am Anfang jedem. Vermeide diese Falle und wähle deine wasserdichte Ausrüstung zum Wandern (Bekleidung, Einwandzelte, Schuhe usw.) mit Bedacht, um unnötige Ausgaben zu vermeiden. Dieser Guide vermittelt dir das nötige Basiswissen dafür.
Was bedeutet Atmungsaktivität eigentlich?
Atmungsaktivität bezeichnet die Fähigkeit eines Gewebes, Wasserdampf nach außen abzutransportieren. Sie kann als RET-Wert (Thermal Evaporative Resistance) gemessen werden, viele Hersteller geben jedoch den Wert in g/m²/24h an. Je höher dieser Wert, desto besser der Feuchtigkeitstransport. Als solider Richtwert gelten 10.000 g/m²/24h.
- Unter 10.000 g/m²/24h: mittlere Atmungsaktivität
- Über 10.000 g/m²/24h: sehr gute Atmungsaktivität.
Je höher die Atmungsaktivität eines Stoffes, desto niedriger sein RET-Wert und desto effizienter transportiert er Wasserdampf nach außen.
Und in der Praxis?
Je atmungsaktiver ein Stoff ist, desto weniger nass bist du durch deinen eigenen Schweiß. Bei einer Zeltwand bildet sich dadurch weniger Kondenswasser im Innenraum. Generell galt früher: Je wasserdichter ein Material, desto weniger atmungsaktiv – und umgekehrt. Moderne Technologien ermöglichen heute jedoch Produkte und Bekleidung, die zugleich absolut wasserdicht und hochgradig atmungsaktiv sind. Entscheidend ist die richtige Wahl: Greife nicht zum billigsten Produkt und investiere für echten Komfort ein paar Euro mehr… Achte bei deiner Kleidungswahl stets auf den Nässeschutz und wähle die ideale Balance aus Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität passend zu deinem Einsatzzweck.
Doch wie wird ein Stoff eigentlich atmungsaktiv?
Die Atmungsaktivität eines wasserdichten Gewebes basiert vereinfacht gesagt meist auf zwei Verfahren:
Erstes Verfahren, rein „mechanisch“: Die Poren der Membran oder Beschichtung sind groß genug, um Wasserdampfmoleküle entweichen zu lassen, aber zu klein, als dass flüssiges Wasser eindringen könnte. Nur der gasförmige Anteil deines Schweißes kann also entweichen. Das ist beispielsweise das Gore-Tex-Prinzip. Zweites Verfahren, eher „chemisch“: In die Membran oder Beschichtung eingearbeitete hydrophile Moleküle ziehen den Wasserdampf von der Innenseite an und leiten ihn dank des Temperatur- und Feuchtigkeitsgefälles nach außen ab.
Tipps und typische Fehler, die du vermeiden solltest
Selbst bei extrem atmungsaktiver Kleidung kann es passieren, dass du von deinem eigenen Schweiß nass wirst. Beispiel: An einem Regentag behältst du deine Fleecejacke unter deiner wasserdichten, atmungsaktiven Jacke beim schweißtreibenden Aufstieg an (dir ist sehr warm), weil du zu bequem bist, sie auszuziehen. Das bereust du spätestens beim Abstieg, wenn du durchnässt bist und zu frieren beginnst. Das ist sicher jedem schon einmal passiert!
Der Kauf von atmungsaktiver und wasserdichter Kleidung befreit dich nicht davon, das Zwiebelprinzip (3-Lagen-System) konsequent und situationsgerecht anzuwenden. Um übermäßiges Schwitzen unter Hardshells zu vermeiden, reguliere deine Körpertemperatur über deine Bekleidungsschichten und nutze Belüftungsöffnungen.
Alle Belüftungssysteme (Reißverschlüsse, Mesh usw.) sind wichtige Faktoren bei der Auswahl deiner wasserdichten Ausrüstung.
Ein entscheidender Punkt zum Schluss: Wenn ein wasserdichtes und atmungsaktives Gewebe mit Wasser gesättigt ist (die Außenfläche komplett durchnässt ist), kann der Stoff nicht mehr atmen und der Wasserdampf wird nicht mehr abtransportiert. Du musst also verhindern, dass dein Schweiß an der Innenseite kondensiert. Sollte das passieren, wische oder tupfe die Innenseite trocken. Moderne DWR-Imprägnierungen lösen dieses Problem weitgehend, indem sie verhindern, dass sich das Außengewebe vollsaugt. Insgesamt siehst du: Die Atmungsaktivität eines Stoffes oder Kleidungsstücks ist beim Sport oder auf Reisen essenziell. Es geht um deinen Komfort und dein Wohlbefinden – vernachlässige diesen Aspekt beim Kauf nicht und beachte unsere Praxistipps.