Laufbegeisterte kennen die Sehnenentzündung gut – ein wiederkehrendes Problem, das die sportliche Praxis erheblich beeinträchtigen kann. Sehnenentzündungen beim Laufen sind nicht nur schmerzhaft, sie können auch lange anhalten und die Leistung beeinträchtigen. Was genau ist eine Sehnenentzündung, wie äußert sie sich und kann man weiterlaufen? Hier das Wichtigste zu dieser Art von Verletzung und zur Vorbeugung.
Die sechs Sehnenentzündungen bei Läufern auf einen Blick
Bestimmen Sie die Stelle Ihrer Schmerzen, um die wahrscheinlichste Ursache zu identifizieren. Diese Tabelle stellt keine Diagnose dar: Nur medizinisches Fachpersonal kann den Ursprung von Sehnenschmerzen bestätigen.
| Typ | Lokalisation der Schmerzen | Entstehungskontext |
|---|---|---|
| Patellar | Unterhalb des Knies, unter der Kniescheibe | Lange Distanzen, Anstiege und Abstiege |
| Achillessehne | Rückseite der Ferse | Lange Läufe, Gefälle, ungeeignete Schuhe |
| Hintere Tibialissehne | Innenseite des Sprunggelenks und Fußgewölbe | Instabiles Gelände, Höhenunterschiede, Trail-Laufen |
| Iliotibial | Außenseite des Knies | Lange Distanzen, wiederholte Bewegung |
| Mittlerer Gesäßmuskel | Hüfte, Außenseite | Muskuläre Dysbalancen, funktionale Lauftechnik |
| Hoher Ansatz | Rückseite des Oberschenkels, Sitzbein | Oft mit Ischias verwechselt |
Was ist eine Sehnenentzündung beim Laufen?
Eine Sehnenentzündung bezeichnet eine Schädigung der Sehnen, jener faserigen Gewebe, die Muskeln mit Knochen verbinden. Beim Laufen werden die Sehnen ständig beansprucht, sei es bei den Schritten oder bei Richtungswechseln, was sie anfällig machen kann. Die Sehne erleidet durch Stöße, Reibung und anhaltende Belastung wiederholte Mikrotraumata.
Eine wichtige Präzisierung: Der Begriff Tendinitis deutet auf eine Entzündung hin, und so wurden diese Beschwerden lange beschrieben. Die Sportmedizin hat diese Sichtweise inzwischen weitgehend revidiert. Die meisten länger bestehenden Sehnenbeschwerden beruhen eher auf einer fortschreitenden Degeneration der Sehne als auf einer Entzündung; dies wird Tendinopathie genannt. Der Unterschied ist nicht nur kosmetisch: Er verändert die Behandlung, insbesondere die Rolle strikter Ruhe und entzündungshemmender Medikamente, und ist ein weiterer Grund, eine Diagnose stellen zu lassen, statt sich selbst zu behandeln.
Sehnenentzündungen treten in der Regel nach Überlastung, zu intensiver Aktivität oder einer falschen Schuhwahl auf. Sie können auch mit einer ungeeigneten funktionalen Lauftechnik oder zu anspruchsvollem Gelände zusammenhängen.

Wie entsteht eine Sehnenentzündung?
Sehnen stehen bei körperlichen Aktivitäten unter ständiger Belastung, insbesondere beim Laufen. Wenn die Belastung dauerhaft die Erholungsfähigkeit der Sehne übersteigt, bauen sich ihre Fasern schneller ab, als sie sich reparieren. Folgende Faktoren begünstigen das Auftreten von Sehnenentzündungen:
- Überlastung: Übermäßiges Training ohne ausreichende Erholungsphase. Dies ist mit Abstand die häufigste Ursache.
- Mikrotraumata: Wiederholte Bewegungen, die zwischen den Einheiten keine Zeit zur Heilung haben.
- Falsche Schuhwahl: Ungeeignete Schuhe verändern die Verteilung der Belastungen. Der Drop des Schuhs beeinflusst insbesondere die Spannung der Achillessehne.
- Schwieriges Gelände: Laufen auf harten oder unebenen Untergründen belastet die Sehnen stärker.
Derselbe Überlastungsmechanismus kann zu weiteren Verletzungen führen, etwa zu einem Ermüdungsbruch. Unsere Tipps zur Vorbeugung von Verletzungen und zur Begrenzung mechanischer Belastung gelten für all diese Beschwerden.

Welche Arten von Sehnenentzündungen gibt es beim Laufen?
1. Patellasehnenentzündung
Diese Sehnenentzündung betrifft die Patellasehne, die die Kniescheibe mit dem Schienbein verbindet. Sie tritt häufig bei Langstreckenläufern auf und äußert sich oft durch Schmerzen unterhalb des Knies, die beim Auf- oder Abstieg stärker werden. Treten Ihre Schmerzen vor allem beim Wandern auf, lesen Sie unseren Ratgeber zu Knieschmerzen beim Wandern.
2. Achillessehnenentzündung
Die Achillessehnenentzündung ist beim Laufen eine der häufigsten. Sie betrifft die Achillessehne an der Rückseite der Ferse. Die Schmerzen treten vor allem nach langen Läufen oder auf Gefällestrecken auf. Ungeeignete Schuhe können sie ebenfalls verstärken.
3. Entzündung der hinteren Tibialissehne
Trail-Läufer sind besonders häufig von dieser Beschwerde betroffen. Der hintere Schienbeinmuskel liegt in der tiefen Loge des Unterschenkels, seine Sehne verläuft jedoch hinter dem Innenknöchel, diesem knöchernen Vorsprung an der Innenseite des Sprunggelenks, bevor sie das Fußgewölbe erreicht. Dort treten die Schmerzen auf, an der Innenseite des Sprunggelenks und unter dem Fuß, nicht in der Wade. Sie entstehen häufig beim Laufen auf instabilem oder steilem Gelände. Nicht zu verwechseln mit anderen Wadenschmerzen beim Laufen, deren Ursachen vielfältig sind.
4. Iliotibiale Sehnenentzündung
Diese Beschwerde, bekannt als Scheibenwischersyndrom, betrifft die Außenseite des Knies und entsteht in der Regel durch wiederholte Bewegungen über lange Distanzen. Sie tritt besonders häufig bei Langstreckenläufern auf.
5. Sehnenentzündung des mittleren Gesäßmuskels
Sie verursacht Schmerzen an der Außenseite der Hüfte und betrifft häufiger Frauen. Sie kann infolge muskulärer Dysbalancen oder einer ungeeigneten funktionalen Lauftechnik auftreten.
6. Sehnenentzündung am hohen Ansatz
Diese Form der Sehnenentzündung betrifft das Sitzbein und äußert sich durch Schmerzen ganz oben an der Rückseite des Oberschenkels, dort, wo die hintere Oberschenkelmuskulatur am Becken ansetzt. Sie wird häufig mit Ischiasschmerzen verwechselt, erfordert jedoch eine andere Behandlung.
Wie äußert sich eine Sehnenentzündung?
Die Symptome variieren je nach Intensität und Lokalisation, zu den allgemeinen Anzeichen gehören jedoch:
- Lokalisierte Schmerzen: Sie werden im Bereich der Sehne bei körperlicher Belastung empfunden.
- Schwellung: Rund um die betroffene Sehne kann eine Schwellung auftreten.
- Steifheit: Der betroffene Bereich wird weniger beweglich, was die Bewegungen einschränkt, oft beim Aufwachen.
- Druckempfindlichkeit: Die betroffene Sehne ist in der Regel bei Berührung empfindlich und kann warm werden.
- Akute Schmerzen während der Aktivität: Sie nehmen beim Laufen zu und können danach anhalten.

Kann man mit einer Sehnenentzündung weiterlaufen?
Die Antwort hängt vom Schweregrad ab. In den frühen Stadien kann Laufen weiterhin möglich sein, sollte aber mit Vorsicht erfolgen. Bei mäßigen Schmerzen können eine Reduzierung des Volumens und eine Anpassung der Intensität ausreichen. Bei akuten oder anhaltenden Schmerzen wird dringend empfohlen, medizinisches Fachpersonal aufzusuchen, statt weiterzumachen.
- Reduzieren Sie die Belastung: Begrenzen Sie Einheiten, die die Sehne beanspruchen, ohne unbedingt alles zu stoppen.
- Wenden Sie Kälte an nach der Belastung, wenn der Bereich warm und geschwollen ist.
- Dehnen Sie sanft: Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen und schmerzhafte Dehnungen.
- Lassen Sie sich untersuchen: Eine präzise Diagnose verhindert, dass monatelang das Falsche behandelt wird.
Wie lassen sich Sehnenentzündungen beim Laufen vorbeugen?
- Steigern Sie sich langsam: Erhöhen Sie Ihr wöchentliches Volumen nicht um mehr als 10 % von einer Woche zur nächsten. Das ist die wirksamste und am häufigsten ignorierte Regel.
- Variieren Sie die Untergründe: Wechseln Sie zwischen flachem Gelände, weichem Boden und hartem Untergrund, damit nicht immer dieselbe Sehne belastet wird.
- Wählen Sie passende Schuhe für Ihren Fuß und Ihre Aktivität und ersetzen Sie sie, bevor sie zu stark abgenutzt sind.
- Wärmen Sie sich auf vor dem Lauf und geben Sie dem Körper zwischen den Einheiten ausreichend Zeit zur Erholung.

Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Sehnenentzündung bei Läufern?
Das hängt stark davon ab, wie lange die Beschwerde bereits besteht. Eine frühzeitige Behandlung mit Belastungsreduktion bei den ersten Anzeichen dauert oft nur einige Wochen. Eine seit mehreren Monaten bestehende Beschwerde erfordert eine längere Behandlung – ein weiterer Grund, frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen, statt abzuwarten.
Sollte man bei einer Sehnenentzündung Wärme oder Kälte anwenden?
Kälte wird in der Regel nach der Belastung eingesetzt, wenn der Bereich warm und geschwollen ist, um Schmerzen zu lindern. Wärme ist eher bei morgendlicher Steifheit vor der Aktivität vorgesehen. Keines von beidem behandelt die Ursache: Entscheidend ist die Anpassung der Trainingsbelastung.
Kann man mit einer Achillessehnenentzündung laufen?
Bei leichten Beschwerden, die beim Aufwärmen verschwinden, ist ein reduziertes Training oft weiterhin möglich. Sobald die Schmerzen beim Laufen zunehmen, danach anhalten oder Ihren Laufstil verändern, sollten Sie stoppen und ärztlichen Rat einholen. Bei zunehmenden Schmerzen weiterzumachen, verlängert die Erholung deutlich.
Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?
Lassen Sie sich untersuchen, wenn die Schmerzen trotz Belastungsreduktion länger als zehn bis fünfzehn Tage anhalten, in Ruhe oder nachts auftreten, der Bereich geschwollen oder sehr empfindlich ist oder wenn Sie dadurch Ihre Lauftechnik ändern müssen.
Sehnenentzündungen beim Laufen sind kein Schicksal. Sie lassen sich vorbeugen, indem Sie auf Ihren Körper hören, die Belastung schrittweise steigern und Ihre Ausrüstung anpassen. Achten Sie auf Ihre funktionale Lauftechnik und zögern Sie nicht, Ihr Training bei den ersten Warnsignalen zu reduzieren.
Dieser Artikel dient der Information und ersetzt nicht die Beratung durch einen Arzt, Sportarzt oder Physiotherapeuten.