Mitten im Herzen des Regionalen Naturparks Verdon gelegen, ist der Sentier Weiß-Martel eine unverzichtbare Wanderung in den Alpes-de-Haute-Provence. Es ist zudem die einzige große Durchquerung des Schluchtengrunds der Gorges du Verdon. Allerdings erfordern die einfache Streckenführung, der Höhenunterschied und die technischen Passagen eine gute Vorbereitung. Entdecke alles Wissenswerte, bevor du dich auf diese Route begibst.
Das funktionale Datenblatt des Sentier Weiß-Martel
Die wichtigsten Zahlen zum Sentier Weiß-Martel
- Distanz: 15 km
- Höhenunterschied: 1000 m D+ / 1000 m D- kumuliert
- Dauer: 6 bis 7 Stunden
- Schwierigkeitsgrad: mittel bis schwierig
Der Sentier Weiß-Martel ist eine 15 km lange Einwegstrecke, die einen Abschnitt des GR4 nutzt. Er richtet sich aufgrund seiner Dauer und seines Höhenunterschieds an körperlich gut fitte Wanderer. Die Wanderung enthält einige technische Passagen, erfordert jedoch kein Klettern.
In welche Richtung verläuft der Sentier Weiß-Martel?
Die Querung ist in beide Richtungen möglich. Die klassische und empfohlene Route ist jene, die am Chalet de la Maline beginnt und am Point Sublime endet. Diese Richtung wird aus mehreren Gründen empfohlen. Zunächst, weil das Höhenprofil günstiger ist. Es ist besser, die 400 Höhenmeter zwischen dem Chalet de la Maline und dem Verdon abzusteigen, als sie am Ende der Wanderung nach 15 km Marsch aufzusteigen. Außerdem ist der Abstieg der berühmten Metalltreppen in dieser Richtung einfacher und bietet eine besonders beeindruckende Aussicht. Schließlich ist der offizielle Shuttle in dieser Gehrichtung organisiert.
Die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke
Der Sentier Weiß-Martel ist mit mehreren markanten Sehenswürdigkeiten gespickt. Kurz nach dem Start bietet der Pas d'Issane ein erstes spektakuläres Panorama auf die Felswände der Gorges du Verdon. Die Wanderung setzt sich fort mit der Brèche d'Imbert, dem berühmtesten Passage des Weges. Du steigst eine Folge von sechs Metallleitern in einem beeindruckenden Felsspalt hinab. Kurz vor dem Ziel durchquerst du zwei Tunnel: den Tunnel de Trescaïre, etwa 100 Meter lang, und dann den Tunnel du Baou, etwa 670 Meter lang.
Neben den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke kannst du in 20 Minuten Hin- und Rückweg die Brücke Estellié besuchen. Sie ermöglicht die Überquerung des Verdon und ist ein markanter Punkt der Route. Außerdem kannst du in 30 bis 45 Minuten Hin- und Rückweg La Mescla entdecken. Sie bietet einen einzigartigen Aussichtspunkt auf den Zusammenfluss von Verdon und Artuby.
Die unverzichtbare Logistik: Shuttle und Parken
Da der Sentier Weiß-Martel keine Rundwanderung ist, ist eine sorgfältige Planung der Tour unbedingt erforderlich. Dafür wurde ein Shuttlesystem eingerichtet. Du kannst kostenlos im Dorf La Palud-sur-Verdon parken. Der Shuttle bringt dich morgens zum Chalet de la Maline und holt dich nachmittags am Point Sublime ab.
Der Weiß-Martel-Shuttle verkehrt in der Regel von Ende April bis Anfang November. Die Nutzung ist reservierungspflichtig. Die Hin- und Rückfahrt kostet 8,50 Euro pro Erwachsenen und 5,50 Euro pro Kind unter 12 Jahren. Zusätzlich zum Shuttle kann der Ausgangspunkt des Wanderwegs auch über die regionale Buslinie 450 erreicht werden.
Eine weitere Möglichkeit ist, am Ziel, am Point Sublime, zu parken und dann ein Taxi zu nehmen, das dich zum Chalet de la Maline bringt. Nach Abschluss der Wanderung kannst du problemlos wieder abreisen. Diese Option ist jedoch recht kostspielig, da der Parkplatz in der Hochsaison kostenpflichtig ist.
Praktische Tipps: Ausrüstung und beste Jahreszeit
Eine erfolgreiche Wanderung auf dem Sentier Weiß-Martel setzt eine gute Organisation voraus. Vor allem anderen: Zieh dich passend an. Wähle Wanderbekleidung, die zur Wettervorhersage passt, und trag Wanderschuhe mit gutem Grip.
Nimm ausreichend Wasser mit, denn die Strecke bietet keinen einzigen Trinkwasserpunkt. Im Sommer übersteigen die Temperaturen leicht 30 Grad und viele Abschnitte der Wanderung sind der Sonne ausgesetzt. Bei starker Hitze empfehlen wir, mindestens 3 Liter Wasser pro Person in deinen Wanderrucksäcken einzuplanen.
Die Route führt durch zwei Tunnel, darunter den Tunnel du Baou, der in fast vollständiger Dunkelheit liegt. Um sich darin zu orientieren, ist es unbedingt erforderlich, eine Stirnlampe oder eine Taschenlampe dabei zu haben. Auch wenn das Handy-Blitzlicht im Notfall helfen kann, ist seine Ausleuchtung begrenzt und beansprucht den Akku stark.
Vermeide außerdem Hitzewellenperioden für Wanderungen in den Gorges du Verdon. Wenn du dich für einen Sommerausflug entscheidest, berücksichtige unbedingt die starke Hitze und mögliche Zugangsbeschränkungen in Waldgebieten. Bei Starkregen oder Gewittern können einige Passagen rutschig werden und das Hochwasserrisiko des Verdon steigt. Im Idealfall wähle einen Ausflug im Frühling oder Herbst, wenn die Temperaturen für Wanderungen am angenehmsten sind.
Weitere Wanderwege, um das Erlebnis im Verdon zu verlängern
Die Rundtour Plein Voir über den Col de l'Âne und Saint-Maurin
- Distanz: 11,5 km
- Höhenunterschied: 800 m D+
- Dauer: 5 Stunden
- Schwierigkeitsgrad: schwierig
Nach dem Sentier Weiß-Martel können sportlich Ambitionierte die Rundtour Plein Voir über den Col de l'Âne und Saint-Maurin in Angriff nehmen. Diese Rundtour beginnt am Parkplatz von Félines. Sie startet mit einem steilen Aufstieg zum Col de l'Âne. Oben auf dem Kamm angekommen, eröffnet der Aussichtspunkt Plein Voir ein atemberaubendes Panorama. Er bietet einen Blick in die Tiefe auf das türkisfarbene Wasser des Lac de Sainte-Croix und auf den Ausgang des großen Verdon-Canyons. Der Abstieg führt dann am Berghang entlang zur Naturreservat Saint-Maurin und seinen Höhlenwohnungen.
Die Rundtour Plein Voir über den Col de l'Âne und Saint-Maurin ist erfahrenen Wanderern vorbehalten. Die Balkonroute weist schwindelerregende Passagen auf, darunter eine mit Handlauf.
Der Couloir Samson
- Distanz: 4 km
- Höhenunterschied: 200 m D+
- Dauer: 1h30
- Schwierigkeitsgrad: leicht
Für Familien mit kleinen Kindern, die sich für den Sentier Weiß-Martel interessieren, ist der Couloir Samson eine gute Alternative. Diese 4 km lange Hin- und Rückwanderung beginnt am Parkplatz des Couloir Samson. Ein Aussichtspunkt bietet zunächst einen Blick in die Tiefe auf den engen Eingang der Schlucht. Der Pfad führt dann hinunter ans Wasser.
Die Route führt über die beiden Tunnel des Weiß-Martel, darunter den Tunnel du Baou. Anschließend wanderst du einige Minuten bis zur Baume aux Pigeons, einer beeindruckenden Höhle mit einem wilden Blick auf den Verdon. Kehre dann um und geh zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung.
Wer den Verdon entdeckt hat und sich für große Schluchten begeistert, kann auch eine Wanderung in der Ardèche in Betracht ziehen, um andere emblematische Schluchten im Süden Frankreichs zu erkunden.
Welche Fehler sollte man auf dem Sentier Weiß-Martel vermeiden?
Die Organisation ist entscheidend, bevor du dich auf den Sentier Weiß-Martel begibst. Den Shuttle in der Hochsaison nicht zu reservieren ist keine gute Idee. Im Juli und August sind die Plätze im Shuttle begrenzt und können mehrere Tage im Voraus ausgebucht sein. Reserviere so früh wie möglich, sonst riskierst du, die Wanderung verschieben zu müssen oder auf ein Taxi angewiesen zu sein.
Auch wenn diese Wanderung kein Klettern erfordert, ist sie dennoch nicht für jeden geeignet. Sie ist lang, körperlich fordernd und enthält einige technische Passagen. Aus diesem Grund wird sie Kindern unter acht Jahren und Personen mit Schwindel nicht empfohlen. Hunde sind ebenfalls verboten, auch an der Leine, um geschützte Arten zu bewahren und aus Sicherheitsgründen.
Die Nachmittage im Grund der Schlucht können sehr heiß werden. Zu spät am Vormittag aufzubrechen ist keine gute Idee. Du riskierst, die Wanderung bei starker Hitze zu beenden oder nach dem letzten Shuttledurchgang anzukommen. Brich stattdessen früh morgens auf.
Der Sentier Weiß-Martel ist mehr als eine gewöhnliche Wanderung. Mit seiner Länge, dem Höhenunterschied und den technischen Passagen erfordert er eine gute körperliche Fitness, die passende Ausrüstung und eine durchdachte Logistik. Du wirst dann die spektakulären Landschaften der Verdon-Schluchten in vollen Zügen genießen.