Die Calanques zählen zu den schönsten Naturlandschaften Frankreichs. Das Nationalpark liegt zwischen Marseille und Cassis und bietet eine große Vielfalt an Wanderungen. Dieses Schutzgebiet unterliegt jedoch einer besonderen Regulierung und mitunter anspruchsvollen Bedingungen. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, bietet Cimalp einen vollständigen Wanderführer für die Calanques von Marseille und Cassis.
Regelungen und Zugang zum Nationalpark
Vom 1. Juni bis zum 30. September unterliegt der Zugang zum Nationalpark der Calanques einer Präfekturverfügung. Jeden Tag veröffentlicht die Präfektur zwischen 17 und 18 Uhr die Brandgefahr nach einem Farbcode-System. Bei grün und gelb ist der Zutritt erlaubt, manchmal mit gewissen Einschränkungen. Bei Rot sind die Massifs für die Öffentlichkeit gesperrt. Vor jeder Wanderung ist es unerlässlich, die offizielle Karte oder die App „Mes Calanques" zu konsultieren, die die Zugangsbedingungen in Echtzeit anzeigt. Diese bietet zudem georeferenzierte Wanderrouten.
Neben einem mitunter hohen Brandrisiko sind die Orte oft von Touristen überflutet. Um einer Überfüllung entgegenzuwirken und die Wege zu schützen, unterliegen einige emblematische Calanques wie Sugiton einer Besucherkontingentierung während der Sommersaison. Die Reservierung ist kostenlos, aber obligatorisch und muss vor dem Ausflug online vorgenommen werden.
Der Sommer ist die touristisch stärkste Saison, aber auch die anspruchsvollste. Um das Massif in vollen Zügen und in aller Ruhe zu genießen, empfiehlt sich ein Ausflug im Frühling oder Herbst. Die Temperaturen sind ideal zum Wandern, und das Licht bietet schöne Kontraste auf dem weißen Fels und dem blau des Meeres. Auch der Winter ist eine gute Option, da der Mistral den Himmel freifegt und eine gute Sicht auf den Horizont bietet.
Schließlich ermutigt die Stadt Marseille ihre Besucher, nicht mit dem Auto zu fahren. Einige Straßen sind gesperrt, und Parkplätze sind in dieser Zone rar. Die einfachste und umweltfreundlichste Lösung ist daher, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, die die wichtigsten Ausgangspunkte der Wanderungen anfahren.
Wanderungen in den Calanques ab Marseille
Ausgangspunkt Luminy
Luminy ist der klassische Ausgangspunkt für eine Wanderung in den Calanques von Marseille. Die Wege sind gut markiert und von moderater Schwierigkeit. Von Luminy aus gibt es mehrere Varianten, je nach Fitness und verfügbarer Zeit. Einige Wanderer entscheiden sich dafür, nur Sugiton zu erreichen, während andere bis Morgiou weitergehen. Ganz gleich, für was Du Dich entscheidest – verpasse nicht den Aussichtspunkt von Sugiton mit seinem atemberaubenden Panorama auf die Calanque de Morgiou rechts und die von Sugiton links.
Die Wanderungen ab Luminy sind wahrscheinlich die am besten geeignete Option für eine erste Entdeckung der Calanques. Auch wenn die Routen für viele Wanderer zugänglich sind, sollte man stets ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit mitbringen.
Ausgangspunkt Callelongue oder Les Goudes
Am südlichen Stadtrand von Marseille bilden Callelongue und Les Goudes das ideale Eingangstor, um das Massif de Marseilleveyre zu erreichen. Sein Gipfel liegt auf 432 Metern Höhe und bietet ein außergewöhnliches Panorama auf die Bucht von Marseille, die Frioul-Inseln und die Felswände der Calanques. Unterwegs können außerdem die Überreste alter Militärforts und traditioneller Fischerhütten besichtigt werden.
Die Routen ab Callelongue oder Les Goudes sind sportlicher und steiler. Sie sind daher Wanderern mit bereits guter körperlicher Verfassung vorbehalten. Der Aufstieg zum Mont Marseilleveyre ab Callelongue beinhaltet unter anderem leichte, aber beeindruckende „Kletterpassagen". Das Gestein ist dort besonders abgeschliffen und rutschig. Die Mühe lohnt sich jedoch, denn die Balkonwege dominieren das Meer und bieten spektakuläre Ausblicke – alles in einer deutlich wilderen Atmosphäre.
Die Calanques von Marseille begeistern mit ihren in die Mittelmeerküste stürzenden Felswänden. Wer das Wandern liebt, kann auch andere provenzalische Massifs entdecken, insbesondere auf den Wanderwegen im Luberon. Dort erwartet einen ein völlig anderes, aber ebenso beeindruckendes Erlebnis.
Wanderungen in den Calanques ab Cassis
Ausgangspunkt über die Halbinsel Port-Miou
Die Halbinsel Port-Miou ist das wichtigste Eingangstor zu den Calanques auf der Ostseite des Nationalparks. Dieser ehemalige Steinbruch, der zu einem Yachthafen umgestaltet wurde, bietet einen schnellen Zugang zu den Wegen. Um dorthin zu gelangen, können Shuttlebusse genutzt oder die Strecke zu Fuß zurückgelegt werden. Die Halbinsel Port-Miou liegt etwa zwanzig Gehminuten vom Zentrum Cassis entfernt.
Route von Port-Miou nach En-Vau
Auf der Seite von Cassis ist die wohl emblematischste Wanderung der Calanques diejenige von Port-Miou nach En-Vau über Port-Pin. Ab Port-Miou führt der Weg zunächst nach Port-Pin, einer kleinen, von Pinien gesäumten Bucht. Er setzt sich dann bis zur spektakulären Calanque d'En-Vau fort, die zwischen hohen Kalksteinfelsen eingebettet ist.
Die Calanque d'En-Vau gilt oft als eine der schönsten der Küste dank ihres spektakulären Rahmens. So beeindruckend die Aussicht auch ist – diese Wanderung sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Es warten felsige Passagen und technische Abstiege. Dafür sind eine gute körperliche Fitness und geeignete Ausrüstung unverzichtbar.
Je nach Jahreszeit fällt die Calanque d'En-Vau mittags oder am späten Nachmittag schnell in den Schatten. Um ihr türkisfarbenes Wasser zu bewundern, empfehlen wir, am späten Vormittag anzukommen, wenn die Sonne am höchsten steht.
Sentier des Douaniers
Die Sportlicheren können die Calanques über den Sentier des Douaniers erkunden. Diese Route, die Teil des GR51/GR98 ist, verläuft entlang eines Teils der Küste zwischen Cassis und Marseille. Sie bietet einige der spektakulärsten Panoramen des gesamten Nationalparks, mit einer Abfolge von Aussichtspunkten auf die Felswände, Buchten und das Mittelmeer.
Es ist nicht notwendig, den gesamten Sentier des Douaniers zu begehen, um seine Landschaften zu genießen. Je nach Fitness kann ein kurzer Abschnitt gewählt werden, um die bemerkenswertesten Aussichtspunkte zu bewundern, oder die vollständige Überquerung zwischen Cassis und Marseille in Angriff genommen werden. Diese sportliche Wanderung ist selbstverständlich erfahrenen Wanderern vorbehalten.
Häufige Fehler in den Calanques
Der häufigste Fehler der Wanderer in den Calanques ist es, die Wasserreserve zu vernachlässigen. Das Massif verfügt über keine Trinkwasserquelle. Im Sommer steigen die Temperaturen schnell an, und schattige Abschnitte sind selten. Wir empfehlen, mindestens 2 bis 3 Liter Wasser pro Person mitzunehmen, um einer Dehydrierung vorzubeugen. Denkt auch daran, einen kleinen Beutel für Euren Müll mitzunehmen, da der Nationalpark auf den Wegen über keine Mülleimer verfügt, um die Tierwelt zu schützen.
Die Calanques sind für ihr Kalksteinrelief bekannt. Einige Platten, die durch den Durchgang von Wanderern poliert wurden, können schnell sehr rutschig werden. Um Stürze zu vermeiden – insbesondere bei den Abstiegen zu den Buchten – sind Flip-Flops und Stadtschuhe fehl am Platz. Bevorzugt stattdessen Wanderschuhe mit gutem Grip.
Die Hitze ist eine echte Gefahr beim Wandern. Selbst wenn das Wetter mild erscheint, speichern die engen Täler und Kalksteinfelsen die Wärme. Sie können sich mittags in regelrechte Backöfen verwandeln. Um das Risiko eines Hitzschlags zu minimieren, brecht früh morgens auf. Schützt Euch außerdem mit einem Hut oder einer Kappe, UV-Schutzkleidung und einer Brille.
Das Wandern in den Calanques von Marseille und Cassis will gut vorbereitet sein. Jedes Jahr sind Besucher, die die Schwierigkeit unterschätzen, gezwungen, die Rettungskräfte zu rufen. Um dies zu vermeiden, sollte der Ausflug vorbereitet, eine dem eigenen Niveau angepasste Route geplant und die Vorschriften stets eingehalten werden. So können die spektakulärsten Panoramen des Mittelmeers in vollen Zügen genossen werden.