Eine IGN-Karte zu lesen mag anfangs komplex erscheinen, aber mit etwas Training und Übung wirst du schnell sicher damit umgehen. Die Orientierungspunkte zu verstehen und zu wissen, wie man sie zur Navigation nutzt, ist essenziell – besonders wenn du wenig bekannte Regionen erkundest. Hier sind einige wichtige Tipps, um das Lesen einer IGN-Karte zu erlernen, wichtige Informationen zu finden und dich im Gelände einfach zu orientieren.
Der Maßstab der IGN-Karte
Jede IGN-Karte ist mit einem Maßstab versehen, der das Verhältnis zwischen den Entfernungen auf der Karte und denen in der Realität darstellt. Zum Beispiel bedeutet ein Maßstab von 1:25.000, dass ein Zentimeter auf der Karte 250 Metern in der Realität entspricht. Die für das Wandern verwendeten IGN-Karten, wie etwa die der Serie Top 25, haben den Maßstab 1:25.000. Das bedeutet, dass 1 cm auf der Karte 250 Meter im Gelände entspricht, was eine präzise Entfernungsmessung ermöglicht.
Die Beherrschung des Maßstabs ist grundlegend, um die Entfernungen bei deinen Wanderungen korrekt einschätzen zu können. Das hilft dir, deine Routen besser zu planen und die benötigte Zeit für das Durchqueren eines bestimmten Gebiets abzuschätzen.

Eine IGN-Karte ausrichten

IGN-Karten sind immer nach Norden ausgerichtet. Das bedeutet, dass der geographische Norden oben auf der Karte liegt, wenn du sie richtig hältst. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der auf der Karte angegebene Norden der geographische Norden ist, der leicht vom magnetischen Norden (angezeigt durch einen Kompass) abweichen kann. Dieser Unterschied, die magnetische Deklination genannt, ist in der Regel gering, aber er ist wichtig, wenn du auf langen Strecken oder in polnahen Gebieten unterwegs bist. Diese Information ist auf einem Diagramm in der Nähe der Kartenlegende angegeben.
Straßen, Pisten, Wege und markierte Routen erkennen
IGN-Karten sind vollgepackt mit nützlichen Informationen, die dir bei der Orientierung helfen, darunter verschiedene Arten von Straßen, Wegen und anderen Routen. So erkennst du sie:
- Hauptstraßen: Sie werden durch farbige durchgehende Linien dargestellt. Ihre Stärke variiert je nach Straßenklasse: Eine Autobahn ist am breitesten, eine kleine Gemeindestraße ist schmaler.
- Fahrwege: Diese mit Fahrzeugen befahrbaren Pisten sind durch zwei gestrichelte Linien gekennzeichnet.
- Wege: Wege sind in der Regel durch schwarze gestrichelte Linien dargestellt. Du findest auch markierte Routen wie Fernwanderwege (GR) oder lokale Pfade, die durch rosafarbene Linien gekennzeichnet sind. Der GR ist dicker als die anderen markierten Wege.
Diese Symbole ermöglichen es dir, auf der Karte einfach zu navigieren und die am besten geeigneten Wege für deine Aktivität zu finden, sei es Wandern, Trailrunning oder sogar Skibergsteigen.

Wie liest man Höhenlinien auf einer IGN-Karte
Die Höhenlinien zeigen die Höhenunterschiede auf der Karte an. Sie sind in Hellbraun dargestellt. Jede Linie verbindet Punkte gleicher Höhe. Der Abstand zwischen zwei Höhenlinien beträgt in der Regel 10 Meter im Gebirge und 20 Meter im Flachland.
Anhand des Abstands der Höhenlinien kannst du das Gefälle des Geländes leicht bestimmen. Liegen die Linien weit auseinander, ist das Gelände relativ flach. Umgekehrt weisen sehr eng beieinanderliegende Linien auf ein steileres Gefälle hin. Diese Informationen sind entscheidend, um die Schwierigkeit des Geländes einzuschätzen und deine Aufstiege sicher zu planen.

Die weiteren Legendenelemente für das Lesen einer IGN-Karte
Die Legende einer IGN-Karte liefert wesentliche Informationen zum besseren Verständnis der verschiedenen Geländeelemente:
- Gewässer: Flüsse und Seen sind in Blau dargestellt. Gletscher im Hochgebirge sind ebenfalls in Blau mit Höhenlinien eingezeichnet.
- Wälder: Wälder sind grün dargestellt, mit spezifischen Nuancen zur Unterscheidung der Vegetationsarten, wie Nadelbäume (Dreieckssymbol).
- Unterkünfte und Hütten: Hütten sind durch ein kleines rosa Haus symbolisiert. Sie sind außerdem markiert, um anzuzeigen, ob sie bewirtschaftet sind oder nicht – erkennbar an einer Tür.

Das GPS-Gitter auf einer IGN-Karte nutzen
Neuere Karten sind oft GPS-kompatibel. Sie enthalten ein Gitter, in der Regel mit einer Seitenlänge von 1 km, mit Koordinaten am Rand. Dieses Gitter ermöglicht es dir, deinen genauen Standort auf der Karte zu bestimmen – auch ohne GPS in der Hand.
Um das GPS-Gitter zu nutzen, musst du zunächst deine GPS-Koordinaten anzeigen. Eine Koordinate wie "30 T0695 420" zeigt dir beispielsweise, dass du dich 420 Meter rechts des Bezugspunkts 695 auf der Karte befindest. Du kannst so deine Position abschätzen, indem du eine vertikale und horizontale Linie auf der Karte ziehst, um deinen genauen Standort zu finden.

Einen Kompass zur Orientierung auf der Karte nutzen
Ein Kompass ist ein wertvolles Werkzeug zur Orientierung auf einer Karte. Um ihn zu nutzen, richtest du die Karte nach Norden aus und visierst dann einen markanten Referenzpunkt (wie einen Gipfel oder einen Funkmast) mit dem Kompass an. Sobald das geschehen ist, kannst du eine Linie auf der Karte ziehen, um deinen genauen Standort zu bestimmen.
Wenn du mehr Genauigkeit möchtest, kannst du die Triangulation mit dem Kompass nutzen. Dabei nimmst du mehrere sichtbare Referenzpunkte um dich herum, um deinen genauen Standort auf der Karte zu bestimmen.

Wie führt man eine Triangulation mit dem Kompass durch?
Erstens: sich Zeit lassen. Eine gute Triangulation mit dem Kompass erfordert etwas Aufmerksamkeit und Zeit. In Notsituationen, in denen die Zeit drängt, ist dies nicht geeignet.
Zunächst muss die Karte ausgerichtet werden. Sobald die Karte ausgerichtet ist, darf sie nicht mehr bewegt werden.
Anschließend nimmt man sich Zeit, die Landschaft zu beobachten und klar erkennbare Referenzpunkte auszuwählen. Es werden mindestens zwei benötigt, aber ein dritter Punkt erhöht die Genauigkeit erheblich. Die Referenzpunkte sollten nicht in dieselbe Richtung gewählt werden, da die Messung sonst ungenau und sehr unsicher wird. Wähle Referenzpunkte, die weit genug voneinander entfernt sind.
Du kannst einen Kirchturm, einen Gipfel oder eine Bergspitze, einen Funkmast oder einen Wasserturm wählen. Du musst in der Lage sein, diese Punkte auch auf der Karte zu finden, ohne dich zu irren. Verwechsle zum Beispiel nicht einen Gipfel mit einem anderen.

Visiere dann den ersten Referenzpunkt an: Halte die Karte ruhig und richte den Kompass auf den Punkt aus. Nutze die gerade Kante des Kompasses als Unterstützung und zeichne die Gerade ein, die vom Referenzpunkt ausgeht. Die Karte und die Magnetnadel des Kompasses bleiben selbstverständlich nach Norden ausgerichtet.
Führe dann denselben Vorgang durch, indem du den zweiten Referenzpunkt anvisierst, gegebenenfalls auch den dritten. Verlängere anschließend die auf deiner Karte eingezeichneten Geraden. Der Punkt oder der Bereich, in dem sich diese Geraden treffen, ist der Ort, an dem du dich befindest!
Zögere nicht, das Ganze in einer bekannten Umgebung zu üben. Warte nicht, bis du dich in einer kritischen Situation befindest, um diese Übung zu testen. Du kannst dies sogar von deiner Wohnung oder dem Garten deines Hauses aus tun oder während einer Wanderung, die du oft machst.