Einen Kompass beim Wandern dabeizuhaben ist gut – ihn sicher zu beherrschen noch besser! Ein Kompass ist ein verlässliches, stromunabhängiges Werkzeug, das dich zusammen mit einer Karte aus fast jeder Orientierungsnotlage befreit. Hier sind die wichtigsten Grundlagen für den effektiven Einsatz eines Kompasses auf Wander- oder Trekkingtouren in Ergänzung zu unseren weiteren Navigations-Tipps.

Aufbau des Kompasses
Ein Kompass besteht aus mindestens 3 Hauptelementen:
- Eine frei bewegliche Magnetnadel, deren rote Spitze zum magnetischen Norden zeigt.
- Ein Peilpfeil: eine feste Markierung auf der Grundplatte, die du in Marschrichtung oder auf einen Orientierungspunkt richtest (auch die Kante der Grundplatte kann als Anlegekante dienen).
- Eine drehbare Kompassdose mit Gradskala.

Beachte, dass die Nadel zum magnetischen Nordpol zeigt. Zwischen dem magnetischen und dem geografischen Nordpol besteht eine Differenz: die sogenannte magnetische Deklination (auf topografischen Karten vermerkt). In unseren Breiten ist sie relativ gering und kann auf normalen Wanderdistanzen vernachlässigt werden. In polnahen Regionen musst du deinen Kurs jedoch zwingend um die Deklination korrigieren und einen speziellen Kompass verwenden.
Einige Kompasse verfügen über einen Spiegel im Deckel, was die Handhabung erleichtert und ein noch präziseres Anpeilen ermöglicht.
Ein Kompass reagiert empfindlich auf Magnetfelder: Nutze ihn nie in unmittelbarer Nähe von Smartphone-Akkus und meide Hochspannungsleitungen!
Der Kompass dient vor allem zwei Grundfunktionen: dem Bestimmen des eigenen Standorts auf der Karte und dem Halten der Marschrichtung zum Ziel.
Die Karte mit dem Kompass einnorden
Das Einnorden der Karte ist der erste und wichtigste Schritt vor jeder weiteren Nutzung von Kompass und Karte. Führe diesen Schritt bei jeder Standortbestimmung zuerst durch. Natürlich kannst du dich grob an markanten Punkten orientieren, doch das Einnorden mit dem Kompass liefert absolute Präzision ohne Fehleinschätzungen.
Lege den Kompass so auf die Karte, dass der Peilpfeil zum oberen Kartenrand (Norden) zeigt und parallel zum Nord-Süd-Gitter der topografischen Karte verläuft. Je nach Kartenhersteller wird die Nordrichtung unterschiedlich dargestellt, meist entspricht sie dem oberen Rand oder den vertikalen Gitterlinien.
Nachdem du den Kompass richtig positioniert hast, drehe Karte und Kompass gemeinsam horizontal, bis die Magnetnadel exakt in die Richtung des Peilpfeils zeigt. Jetzt ist deine Karte präzise nach Norden ausgerichtet – jede Richtung auf der Karte entspricht exakt der Realität im Gelände.
Den eigenen Standort auf der Karte mit dem Kompass bestimmen
Angenommen, du befindest dich auf einem in der Karte verzeichneten Wanderweg, weißt aber nicht genau, an welcher Position du stehst.
Norde deine Karte zunächst wie oben beschrieben nach Norden ein. Suche dir dann im Gelände einen markanten Hochpunkt, den du auf der Karte eindeutig identifizieren kannst: einen Kirchturm, einen Berggipfel, einen Sendemasten oder einen Wasserturm.
Ohne die Karte zu drehen – nur durch Verschieben des Kompasses –, richtest du den Peilpfeil oder die Anlegekante auf das anvisierte Geländemerkmal auf der Karte aus. Die so entstandene Peillinie schneidet deinen Weg genau an deinem aktuellen Standort.
Du kannst diesen Vorgang wiederholen, um die Genauigkeit zu erhöhen, oder eine Kreuzpeilung (Anpeilen von 3 markanten Punkten) durchführen, um deinen Standort exakt zu bestimmen.
Einen Kompass zur Richtungsbestimmung nutzen

Nehmen wir folgendes Szenario an: Du kennst deinen Standort (Punkt A) und möchtest einen Weiler in der Ferne erreichen (Punkt B), weißt aber, dass er hinter Geländekuppen gleich aus deinem Sichtfeld verschwindet.
- Richte zuerst den Peilpfeil des Kompasses auf dein Ziel (Punkt B auf der Karte oder im Gelände): Der Kompass liegt nun auf der direkten Verbindungslinie zwischen Punkt A und B.
- Drehe die Kompassdose, bis die Nordmarkierung der Dose exakt mit der Nordspitze der Magnetnadel übereinstimmt.
- Lies den Azimut (deine Marschkompasszahl) ab: Es ist der Wert, der in Richtung der Magnetnadel angezeigt wird
Halte deinen Kompass waagerecht und achte darauf, dass die Nordspitze der Magnetnadel stets mit der Nordmarkierung der Skala übereinstimmt: So folgst du präzise der Peilung. Korrigiere deinen Kurs, sobald dein Zielpunkt B wieder sichtbar wird, oder passe die Richtung an, falls du Hindernisse umgehen musst.
Die Handhabung eines Kompasses ist nicht kompliziert, erfordert aber etwas Übung. Trainiere am besten im vertrauten Gelände oder baue kleine Orientierungsübungen in deine gewohnten Wandertouren ein. Das gibt dir Sicherheit, wenn du in unbekanntem Terrain auf präzise Navigation angewiesen bist. Ein Kompass gehört in jeden Rucksack beim Trekking und Wandern – ihn richtig einzusetzen ebenso! Wir vertiefen diese Grundlagen demnächst in einem weiteren Praxisartikel.