In der Welt des Ultra-Trails gelten bestimmte Rennen als besonders schwierig. Zu ihnen gehört die Barkley. Es handelt sich um ein Rennen, das sich über mehr als 160 km erstreckt, mit einem sehr hohen Höhenunterschied, strengen Zeitlimits und ungewöhnlichen Regeln. Diese zahlreichen Parameter haben ihm den Ruf eingebracht, der härteste Ultra-Trail der Welt zu sein.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die Barkley wurde 1986 von Gary Cantrell nach der Gefängnisflucht eines Häftlings in Tennessee ins Leben gerufen.
- Nur 40 Personen können an jeder Ausgabe teilnehmen, und ihre Anmeldung folgt einem geheim gehaltenen Verfahren.
- Dieser Ultra-Trail erstreckt sich über 60 Stunden, mit 160 km zurückzulegender Strecke, 18.000 Metern positivem Höhenunterschied, einer nicht markierten Strecke, unberechenbarem Wetter und keinerlei Unterstützung.
- Im Jahr 2023 wurde Aurélien Sanchez der erste Franzose, dem die Leistung gelang, die Barkley zu beenden.
Die Ursprünge der Barkley
Der härteste Ultra-Trail der Welt wurde 1986 gegründet im Frozen Head State Park in Tennessee, USA. Die Barkley hat ihren Ursprung in einem Kriminalfall aus dem Jahr 1977. In jenem Jahr floh James Earl Ray, der Mörder von Martin Luther King Jr., aus dem Brushy Mountain-Gefängnis. Nach einer 55-stündigen Flucht durch den Wald von Frozen Head wurde er schließlich von der Polizei gefasst.
Inspiriert von dieser Geschichte erdachte Gary Cantrell, genannt "Laz", zusammen mit seinem Freund Karl Henn ein extremes Rennen. Die erste Ausgabe vereinte nur 13 Teilnehmer, die 50 Meilen (80,5 km) in weniger als 24 Stunden laufen mussten.
Im Laufe der Jahre hat sich das Rennen weiterentwickelt und sein aktuelles Format angenommen. Seit 1995 müssen die Läufer 100 Meilen (160,9 km) zurücklegen, aufgeteilt auf fünf Schleifen, in weniger als 60 Stunden. Die Schleifen werden nicht in der gleichen Richtung absolviert, um das Rennen zu erschweren. Für diejenigen, die es nicht bis zur Ziellinie schaffen, besteht die Möglichkeit, den "Fun Run" zu gewinnen, was dem Abschluss von drei Schleifen in weniger als 40 Stunden entspricht.
Die Anmeldebedingungen
Jedes Jahr werden nur 40 Teilnehmer zur Barkley eingeladen. Die Anmeldung steht jedoch nicht allen offen. Die Läufer müssen ein rigoroses Ultra-Trail-Training absolviert haben und den Kontakt zu Laz finden, der geheim gehalten wird. Anschließend müssen sie ein Motivationsschreiben per E-Mail und zu einem genauen Datum einsenden. Im Falle einer Auswahl müssen die Teilnehmer eine Haftungsfreistellung unterzeichnen und die Startgebühr von 1,60 Dollar entrichten (also 1 Cent pro zurückgelegtem Kilometer).

Der härteste Ultra-Trail der Welt findet jedes Jahr zwischen Ende März und Anfang April statt. Um teilzunehmen, müssen neu ausgewählte Läufer ein Nummernschild aus ihrem Herkunftsland mitbringen. Sie erhalten am Vorabend des Wettkampfs eine Streckenkarte und werden schließlich erst eine Stunde vor Rennbeginn durch ein Nebelhorn über den Start informiert.
Was die Barkley zum härtesten Ultra-Trail der Welt macht
Das Zeitlimit und der Höhenunterschied
Zahlreiche Parameter machen die Barkley zum härtesten Ultra-Trail der Welt. Zunächst müssen die Teilnehmer jede der fünf Schleifen des 160 km langen Rennens in maximal 12 Stunden absolvieren, um das 60-Stunden-Limit einzuhalten. Sie müssen sich außerdem einem positiven Höhenunterschied von 18.000 Metern stellen, was fast dem Doppelten des UTMB entspricht.
Die nicht markierte Strecke und das Wetter
Jedes Jahr ändert sich die Strecke und wird erst am Vorabend des Wettkampfs bekannt gegeben, um Erkundungen und Vorbereitung zu verhindern. Die Teilnehmer bewegen sich in einer unbekannten Umgebung, hauptsächlich abseits markierter Wege und bei wechselhaftem Wetter (Hitze, Regen, Nebel, Frost…). Sie müssen daher Trailrunning-Bekleidung und Trail-Schuhe mitbringen, die für alle Bedingungen geeignet sind.
Keine Unterstützung und kein GPS

Während des Rennens stehen den Teilnehmern keine Unterstützung oder Verpflegungspunkte zur Verfügung, mit Ausnahme des Startbereichs. GPS-Geräte und Höhenmesser sind verboten, und sie können sich nur mit Hilfe einer Karte und eines Kompasses orientieren. Das Fehlen fester Orientierungspunkte oder die Entstehung von Flüssen bei starkem Regen verstärkt das Risiko der Desorientierung.
Die Passierbestätigungen
Um das Rennen zu validieren, müssen die Läufer bestätigen, dass sie die Strecke ordnungsgemäß absolviert haben. Dazu erhalten sie bei jeder Schleife eine neue Startnummer. Anschließend müssen sie an strategischen Punkten versteckte Bücher finden und die ihrer Nummer entsprechende Seite herausreißen.
Die Renndauer
Zusätzlich zu den Herausforderungen des Rennens selbst, des Wetters oder der Orientierung müssen die Teilnehmer die Grenzen ihres Körpers überschreiten. Da das Rennen über 60 Stunden geht, müssen sie zwei aufeinanderfolgende Nächte durchmachen, um die Ziellinie zu überqueren. Dieser Schlafmangel in Verbindung mit körperlicher Erschöpfung kann visuelle und auditive Halluzinationen verursachen und sie zum Aufgeben zwingen.

Der Sieg von Aurélien Sanchez im Jahr 2023
Seit 1995 haben nur 21 Teilnehmer die Barkley erfolgreich abgeschlossen. Darunter der Franzose Aurélien Sanchez. Nach mehrjährigem Training nahm er an der Ausgabe 2023 teil. Während es keinem Teilnehmer seit 2017 gelungen war, den Ultra-Trail zu vollenden, schafften es in jenem Jahr drei Läufer. Aurélien Sanchez belegte den ersten Platz in 58 Stunden, 23 Minuten und 12 Sekunden. Er setzte sich gegen den Amerikaner John Kelly und den Belgier Karel Sabbe durch.
Das Rennen von Aurélien Sanchez war beim letzten Rundkurs von einem Rückschlag geprägt. Ein Wanderer hatte eines der Bücher aufgesammelt, sodass der Franzose seine Seite nicht herausreißen konnte. Seine Schleife wurde dennoch gewertet, was ihm den Finisher-Status einbrachte. Im darauffolgenden Jahr versuchte der Sportler erneut sein Glück, schaffte es jedoch nicht, das Rennen zu beenden.
Obwohl es viele sehr schwierige Rennen gibt, gilt die Barkley oft als der härteste Ultra-Trail der Welt. Neben den erforderlichen körperlichen Fähigkeiten müssen die Läufer sich korrekt orientieren, Schlafmangel aushalten, sich an die Wetterbedingungen anpassen und sich mental vorbereiten.